Kultur und Religion

Die Vielfalt der in Nigeria lebenden Ethnien impliziert einen großen Reichtum an unterschiedlichen Traditionen, Bräuchen und Sprachen. Insbesondere in den ländlichen Gebieten lebt das kulturelle Erbe in zahlreichen Festen, Tänzen, der Musik und der bildenden Kunst bis heute fort. Den kulturellen Reichtum Nigerias kann man sich zudem auch in zahlreichen Museen, die im ganzen Land verteilt sind, ansehen. Die bekanntesten unter ihnen sind das Nationalmuseum in Lagos, das 

Gidan Makama Museum in Kano und das Nationalmuseum in Benin City. 

Ebenfalls einen Besuch in Lagos wert sind das Nationaltheater und die Art Galleries. Insbesondere die Nike Gallery wird von Touristen gerne und häufig besucht. Unabhängig von der ethnischen oder religiösen Zugehörigkeit gibt es zentrale, übergreifende kulturelle Werte, Normen und 

Verhaltensweisen der nigerianischen Bevölkerung, die sich auch im Alltagsleben manifestieren. Wer interkulturell erfolgreich in Nigeria unterwegs sein möchte, sollte Verständnis und Respekt für die 

kulturellen Werte, Normen und Verhaltensweisen der Menschen mitbringen. 

Kunst 

Die traditionellen Kulturen und ihre künstlerischen Erzeugnisse sind weltberühmt. Dazu zählen u.a. die NOK-Terrakotten (bis zu 3000 Jahre alt), Metallgüsse aus Ife, Benin-Bronzen, Zeugnisse der Sao Kultur vom Tschadsee, Bronzen aus Igbo-Ukwu, Terrakotten aus Owo, die Masken vieler Völker, Batiken, Färberei-Produkte, Töpferwaren und Weberzeugnisse.

In der modernen zeitgenössischen Kunst hat Nigeria eine ganze Reihe von anerkannten Künstler/innen hervorgebracht. Künstler wie Twins Seven Seven, Chief Muraina Oyelami, Obiora Udechukwu, Uche Okeke, Jimoh Buraimoh sowie der Fotograf J.D. ‹Okhai Ojeikere u.a. haben sich dabei weltweit einen Namen gemacht. 

Literatur 

Die zeitgenössische Literatur Nigerias hat mit der Verleihung des Nobelpreises für Literatur an Wole Soyinka ihren offiziellen Einzug in die Weltliteratur erhalten. So erhielt Wole Soyinka 1985 als erster Afrikaner in der Geschichte den Nobelpreis für Literatur. Er wurde 1934 in Abeokuta, im Südwesten Nigerias, geboren. Aufgrund seiner Opposition zur Diktatur in Nigeria war er während des nigerianischen Bürgerkriegs in Haft. Wole Soyinka ist ein international ausgezeichneter Schriftsteller, Literaturwissenschaftler, Theatermacher sowie politischer Essayist. Auch heute noch ist er politisch engagiert und erhebt regelmäßig seine Stimme gegen Gewalt und Ungerechtigkeit in seinem Heimatland Nigeria.

Auch die Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 2002 an den im März 2013 verstorbenen Chinua Achebe brachte vor allem dem deutschen Publikum die nigerianische Literaturwelt nahe. 2007 wurde Achebe mit dem Man Booker Prize, dem bedeutendsten 

Literaturpreis im englischen Sprachgebiet, geehrt. Unter den Schriftstellerinnen mit internationaler Anerkennung befinden sich auch die verstorbene Flora Nwapa und Buchi Emecheta. Zu den neueren weiblichen Stimmen des Landes zählt die junge Chimamanda Ngozi Adichie, die bereits vier ihrer preisgekrönten Romane in renommierten deutschen Verlagen veröffentlicht hat. Eine Übersicht über die berühmten nigerianischen Schriftsteller/innen bietet Ranker. 

Besonders bei den Volksgruppen der Igbo und Yoruba im Süden des Landes steht die orale Tradition als wichtigste Kunstform in hohem Ansehen. Die Erzählungen sind reich an Sprichwörtern und Lebensweisheiten und erfüllen in der Gesellschaft verschiedene Funktionen.  

Musik

In der Musikszene genießt die nigerianische Musik internationale Anerkennung. Der Nigerianer Fela Kuti gilt als der schillerndste Star in der Pop-Geschichte Afrikas: Er war Erfinder des Afro-Beats, einer wilden Fusion von Jazz, Funk, ghanaischem Highlife, psychedelischem Rock und traditionellen Gesängen. Bei seinen Auftritten trat er mit bis zu 40 Bandmitgliedern auf die Bühne: Saxofonisten, Trompeter, Gitarristen, Trommler aller Art sowie eine Vielzahl an Tänzerinnen und Sängerinnen. Fela Kuti galt aber auch als Kritiker der Militärregierung in Nigeria und setze sich gegen die Folgen des Kolonialismus ein. Die Afro-Beat-Tradition des 1997 verstorbenen Fela Kuti wird heute von seinem Sohn Femi Kuti fortgesetzt. 

Der King of Juju Music Sunny Ade begeistert das Publikum weltweit mit seiner «Juju-Musik». Chief Stephen Osita Osadebe gehörte zu den besten Highlife-Musikern Westafrikas. Im Bereich der Hip-Hop- und Soulmusik sind junge weibliche Sängerinnen wie Nneka und Asa derzeit in der internationalen Musikszene `en vogue´. Darüber hinaus begeistern junge Musiker/innen – wie z.B. Wizkid, Davido, Tiwa Savage, Femi Alade – mit ihren Afrobeat-Songs ihr Publikum und sind über die Landesgrenzen hinweg bekannt. Der weltweite Aufstieg der nigerianischen Afrobeats-Musik könnte dazu beitragen, die Probleme der lokalen Musikindustrie zu lösen. 


Film 

Nigeria beherbergt die zweitgrößte Filmindustrie der Welt. Jedes Jahr werden rund 2.000 Filme und Videos gedreht, das Geschäft boomt. Die nigerianische Filmindustrie Nollywood produziert Filme und Videos in englischer Sprache, ebenso wie in den Landessprechen Igbo, Yoruba, Hausa und Pidgin English. Die Nollywood-Filme orientieren sich am nigerianischen Alltagsgeschehen und thematisieren Phänomene wie Neid, Missgunst, Eifersucht, Armut und Reichtum in der Gesellschaft, AIDS, Korruption, Prostitution, Gewalt sowie interreligiöse Familiengeschichten. Traditionelle Aspekte wie Zauberei und Magie werden dabei ebenfalls selbstverständlich in die Filmhandlungen integriert. 

Mit Half of a Yellow Sun kam 2013 ein Stück nigerianischer Geschichte in die internationalen Kinos. Der Film handelt vom Schicksal einer Familie während des nigerianischen Bürgerkrieges (1967 – 1970). Vorlage war der gleichnamige Bestseller von Chimamanda Ngozi Adichie «Die Hälfte der Sonne.» 

Kleidung 

Nigerianer sind in Westafrika für ihre farbenprächtige und kunstvoll bestickte Kleidung bekannt. Da Nigeria ein Vielvölkerstaat ist, hat jede ethnische Gruppe ihre traditionelle Kleidung. Die Männer tragen den «statusgebundenen Chieftaincy», den «Jumper» die sog. «Agbada» und den «Baba Rija». Die nigerianischen Frauen tragen das «Buba» mit dem traditionellen Wickelrock, der «Wrapper» genannt wird. 

Junge nigerianische Modedesigner verbinden nun den traditionellen Kleidungsstil mit modernen Elementen und erlangen damit weltweit Anerkennung. Nigeria gilt daher mittlerweile als ein «Hot Spot» für Mode – nicht nur auf dem afrikanischen Kontinent, sondern zunehmend auch weltweit. 

Jüngst wurde in Nigeria eine schwarze Barbie-Puppe entwickelt, die mit Kleidung nach afrikanischem Design ausgestattet wurde. Damit wurde der Versuch unternommen, eine Alternative zu der weißen Barbie-Puppe, mit der Kinder in aller Welt spielen, anzubieten und dem globalisierten «weißen Schönheitsideal «ein «schwarzes Schönheitsideal» entgegenzusetzen. Auf diese Weise soll die Identifikation der Kinder Nigerias mit ihrem traditionellen Hintergrund gestärkt werden. 

Religion 

Die nigerianische Verfassung garantiert zwar die Religionsfreiheit, die Umsetzung dieser gestaltet sich in der Praxis aufgrund der religiösen Spannungen aber schwierig. So ist das Land von drei unterschiedlichen Religionen geprägt: dem Islam, der durch den Transsahara-Handel im 11. Jahrhundert nach Nigeria gelangte; dem Christentum, eingeführt von europäischen Missionaren ab

1842, und den indigenen Religionen. Fast 50 % der Bevölkerung sind Moslems, ca. 45 % sind Christen und der Rest der Bevölkerung gehört den indigenen Glaubensrichtungen an. Im Norden des Landes überwiegt der muslimische Anteil der Bevölkerung und im Südosten der christliche, während es im sogenannten Middle Belt und im Südwesten eine eher ausgewogene Verteilung gibt. 

Islam 

Aus den Marktzentren des Transsaharahandels am Tschadsee entwickelte sich im 9. Jahrhundert das Reich Kanem-Bornu im Nordosten Nigerias. Hier begann die Islamisierung des Nordens Nigerias, denn die Herrscher dieses Reiches waren die ersten, die im 11. Jahrhundert zum Islam übertraten. Zwischen dem 11. und 15. Jahrhundert breitete sich durch den Transsaharahandel der Islam in die benachbarten Hausa-Staaten (Kano, Katsina, Zaria) aus. Eine völlige Islamisierung des Hausa Gebietes setzte 1804 mit dem Jihad unter der Führung des Islamgelehrten Usman Dan Fodio ein, der mit der Gründung des Kalifats Sokoto und dem Vordringen bis nach Ilorin im nördlichen Yoruba-Land die Stellung des Islam endgültig festigte. 

Im Norden Nigerias sind zwei Strömungen des Islam vertreten: die Bruderschaft der Qadiriyya in Sokoto und der Tijaniyya, der alteingesessenen Hausa in Kano. Beides sind Varianten des sunnitischen Islam. Seit der nigerianischen Unabhängigkeit sind viele islamische Gemeinschaften entstanden, d.h. wie bei den Christen auch, passte sich der Islam den afrikanischen Traditionen u.a. mit der Entstehung neuer islamischer Sekten an. 

Eine der bekanntesten islamischen Sekten ist die 2002 gegründete Boko Haram, deren Name  «Westliche Bildung ist Sünde» bedeutet. Diese verübt seit 2009 regelmäßig terroristische Anschläge im Norden des Landes. Sie verfolgt das Ziel, einen islamischen Gottesstaat in Nigeria auszurufen. Seit 2009 sind der islamistischen Terrorgruppe ca. 20.000 Menschen zum Opfer gefallen. 

Christentum 

Abgesehen von Niederlassungen einzelner Missionare in den großen Sklavenumschlagplätzen (Badagry, Calabar, Lagos) begann eine systematische christliche Missionierung erst um 1842, ausgehend vom «Fourah Bay College» in Freetown/Sierra Leone, wo Großbritannien befreite Sklaven angesiedelt hatte. So stammte auch der erste Bischof Nigers (Westafrika), Samuel Ajayi Crowther, von dort. Den Anfang der Christianisierung machten die anglikanischen Missionare aus England. In den Folgejahren breitete sich das Christentum im Süden Nigerias nach und nach aus. Das Zentrum der Missionierung war die Stadt Abeokuta im Südwesten Nigerias. Die erste Missionsstation im wurde erst 1885 in Onitsha gegründet. 

Das Christentum unterteilt sich in Nigeria in Katholiken (13 %), Protestanten (15 %) und synkretistische afrikanische Kirchengemeinschaften (17 %) – einer Vermischung von traditionellen Religionen und Freie Evangelisten, meistens Mitglieder evangelikaler und pentekostaler Kirchen. Über tausend dieser neuen afrikanischen Kirchengemeinden mit mehreren Millionen Mitgliedern gibt es bereits in Nigeria, Tendenz steigend. Dabei sind die meisten dieser Kirchen stark profitorientiert. Das Geschäft mit dem Glauben boomt und die Prediger werden von den Gläubigen wie die Stars aus der nigerianischen Filmbranche Nollywood verehrt und gefeiert. Sie führen meist einen extravaganten

Lebensstil und fliegen in Privatjets durch das Land. Die Prediger vermitteln den Menschen die Hoffnung durch den Glauben reich zu werden. Darüber hinaus haben sie angeblich die Gabe, die Menschen von Krankheiten zu heilen. «Church is business», ist in Nigeria ein geflügeltes Wort.  

Als Dachverband verschiedener christlicher Kirchen und Organisationen in Nigeria fungiert die 1976 gegründete Christian Association of Nigeria.  

Naturreligionen 

Die traditionellen Religionen haben sich trotz der Anfeindungen durch die großen Religionen bis heute behaupten können. Sie erleben derzeit eine Art Renaissance. Je nach Volksgruppe glaubt man an Erdgeister, Wassergötter, Ahnengeister, Gottheiten, Magie und Zauberei. Ausgeprägt bei den Volksgruppen im Süden Nigerias ist der «Juju-Glaube», in dessen Zentrum «Juju» als magische Zauberkraft steht. Erscheinungsformen sind Juju-Wälder, Juju-Flüsse, Juju-Pflanzen, Juju-Bäume oder auch Gegenstände wie Amulette und Talismane. 

Trotz der Akzeptanz von Christentum und Islam sucht die breite Mehrheit der nigerianischen Bevölkerung im Juju Schutz vor fremden Mächten. Die nominelle Zugehörigkeit zu einer etablierten Religion bedeutet für viele Nigerianer keineswegs die Aufgabe ihrer traditionellen Religion. 

Die Texte stammen vom Länderportal der GIZ, welches vom Netz genommen ist. Verfasser ist Emmanuel I. Ede. Die Urheber wurden informiert, dass auf meiner Tourismusseite für Nigeria die Inhalte veröffentlicht werden.